Europa heilig Urlaubland
Illustration: Henning Studte
Auch wenn nicht auf den ersten Blick: Der Urlaub ist in ganz Europa heilig!
PANORAMA
- Deutsch [OF]
02/07/08
"Willkommen Willkommen Willkommen Sonnenschein und ich sag Hey - ab in den Süden." Zugegeben, der Ohrwurm von Buddy Vs. Dj The Wave liegt bereits ein paar Jahre zurück, aber er macht nicht nur darauf aufmerksam, dass schleunigst ein besseres Sommerlied her muss, sondern weist ganz bescheiden auf den Fakt hin, dass wir - wie der nach Urlaub lechzende Deutsche auszudrücken pflegt - 'reif für die Insel sind'.
Ab in den Süden
Bei dem deutschen Wort Urlaub handelt es sich nicht etwa um einen entspannten Marsch durch urbelassene Laubwälder, sondern um den simplen Fakt, dass man seinen Vorgesetzten vor der geplanten Auszeit um Erlaubnis fragen sollte. Im Klartext: Im 9. Jahrhundert hieß der Urlaub noch "urlub"- die linguistische 'Ferienliebe' zum 'Erlauben' wird offensichtlich.
Einmal im Süden angelangt stößt der sprachgewandte Globetrotter auf eine Wortlawine von lateinischstämmigen vacances (Frankreich), vacaciones (Spanien), vacanze (Italien), gar in Holland auf vakantie. Der Vorgesetzte hat hier im Gegensatz zu den sprachlichen Gepflogenheiten der untertänigen Deutschen wahrscheinlich selbst schon das Weite gesucht, denn das lateinische "vacans" bedeutet nichts weiter als 'Freizeit haben, nicht beschäftigt sein'. Der Spanier hat’s zudem gern etwas ausgiebiger: er 'übersommert' (veranear ). Ist sowieso viel zu heiß…
In Italien und Deutschland spricht man wahlweise auch gern von den Ferien (It. ferie ). Auch da waren die Lateiner am Werk, denn die perfekte Mischung aus "festus" ('festlich') und "anum" ('Heiligtum') ergibt die sehnsüchtig erwartete Erholungsphase, in der ursprünglich religiöse Traditionen aufrecht erhalten und Geschäfte geschlossen wurden. Noch heute werden in Spanien und Südfrankreich große Volksfeste mit 'Feria' bezeichnet. Und auch der Engländer feierte im 14. Jh. noch religiöse Feste ("holy day"), wo er heute zum Faulenzer wird (holiday ). Denn eines ist sicher: An das 'süße Nichtstun ' ('sweet idleness , se la couler douce , il dolce far niente ') haben sich alle Europäer sprachlich angepasst.
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